Wie ich explodoh.

Wie ich explodoh.

Warnung:
Dieser Post wurde verfasst von einer extrem wütenden, rotköpfig, schwitzig-erregten (und wir reden hier keinesfalls von positiver Erregung!!!) Bauherrin verfasst.
Eventuell aus ihr raussprudelnde Fäkalinjurien können nicht ausgeschlossen werden.

Wir bauen ein Haus.

Eigentlich wollte ich mich zuerst mit „Aaah“ und „Oooh“ Bildern von unserem Hausaufbau von der Baustelle melden, aber erstens kommt es ja bekanntlich anders als wie man denkt.
Ich bin so angekotzt, dass muss einfach raus.
(Die Bilder kommen aber trotzdem. Versprochen.)

Unseren Hauskaufvertrag haben wir bei einem sehr engagierten Verkäufer unterschrieben.
Um die Kosten im Rahmen zu halten  (und damit die Grundvoraussetzung, unser Haus überhaupt mit Hanse Haus zu bauen) hat der Verkäufer neben der Bodenplatte auch die Fliesen, Malerarbeiten sowie Teppichboden und Innentüren an eine Fremdfirma outgesourcet.
Zu diesen Preisen -und das war die Bedingung- haben wir dann den Vertrag unterschrieben, ansonsten wäre Hanse Haus aus dem Rennen gewesen.

Nun trug es sich zu, dass mein Mann gestern Abend nach Hause kam und mir mitteilte, dass unser Verkäufer ihn angerufen hätte und ihn darüber informierte, dass sein Handwerker im Krankenhaus läge und wir nun Ersatz suchen müssten.




Eine der Eigenschaften, warum ich meinen Mann geheiratet habe ist, dass er überaus nett ist.
Wirklich wahr… Er ist ein Goldschatz.
Immer höflich, immer lösungsorientiert, er behandelt jeden respektvoll und nimmt sich eher noch zurück, bevor er jemand anderem vor den Kopf stoßen müsste.
Eine Eigenschaft, die ich im Leben sehr wichtig finde und die meinen Wertevorstellungen absolut entspricht.
Wenn ich allerdings merke, dass ich ausgenutzt oder verarscht werde… Dann ist es vorbei.
Und da hat der Düsenmann eine… nennen wir es „weitaus höhere Toleranzgrenze“ als ich.

In Bangkok musste ich ihn schon fast mit Gewalt aus dem Tuc-Tuc eines Touristen-Neppers (vor dem in JEDEM.SCHEISS.REISEFÜHRER. gewarnt wird) ziehen, obwohl der doch „gar nicht gefährlich aussah“.
Wie gesagt, ich liebe ihn über alles, meinen Schatz.
Handwerker, Dienstleister jeglicher Art und sämtliche Leute, die einen gerne mal über den Tisch ziehen, lieben ihn auch.
Denn er ist… viel zu nett.

Der gute Verkäufer, der ja „in der gesamten Bauphase unser kompetenter und hilfsbereiter Ansprechpartner ist“ schlug meinem Mann in all seiner Kompetenz und Hilfsbereitschaft vor, dass WIR uns jetzt um einen Maler für Trockenbau und Malerarbeiten kümmern sollten, damit unser Innenausbau wie geplant von statten geht.
Die Fliesen und den Teppich würde er nochmal bei Hanse Haus anfragen und parallel ein Angebot vom Neffen des Erkrankten einfordern – könnte aber eine Woche dauern.
Mal abgesehen davon, dass der gute Mann bisher keines seiner Wörter gehalten hat („von Unterschrift bis Einzug dauert es 3 Monate!“ – wir haben im Dezember 2014 unterschrieben… Nur um mal ein winzig kleines Beispiel anzuführen…) werde ich ihm künftig auch kein einziges mehr abnehmen.
Den beiden Doofen erzählst Du das Blaue vom Himmel, die glauben das wohl.
Hauptsache die Unterschrift ist unter dem Vertrag.



Ich kürze an dieser Stelle ab und fasse zusammen:
Ich rief -nicht ohne mich vorher präventiv abreagiert zu haben- bei unserem bezaubernden Verkäufer an.
Wir sind jetzt keine Freunde mehr, der Verkäufer und ich.
Macht aber nichts.
Und wenn der nicht pronto aus den Puschen kommt mit seinem verschissenen Angebot fahre ich höchstpersönlich in sein Büro und Nagel ihm seine Klöten an sein beschissenes Musterhaus.

Der Rest -das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen- läuft aber geradezu beängstigend gut.
An Hanse Haus kann ich kein schlechtes Haar lassen, das läuft alles wie am Schnürchen.
Wir sehen nun mal zu, wohin uns die spannende Reise des Innenausbaus noch führt und ob unser geliebter Verkäufer sehr an seinen Eiern hängt.

PS:
Beim Verfassen dieses Textes am Nachmittag stiefelte ich mit dem quengelnden Babymädchen in der Manduca durch die Wohnung, während Tiffy all die dreckigen Gummistiefel (von der Baustelle) quer durch unseren Flur schmiss, dabei in Endlosschleife Kinderlieder schmetterte („Warum war ich eigentlich jemals darauf erpicht, dass dieses Kind sprechen lernt???“), und der Düsenmann seine Aggressionen beim Fussballtraining freien Lauf liess und ich heulte.
Vor Wut.
Heute ist so ein Tag, an dem mir das ganze Universum eine Nummer zu groß ist.
Scheiss Universum.
Scheiss Bauscheisse.

(Würde dieser Beitrag bei jedem *Piiiiiieeeep* Wort *piiiiieeepen* wäre das hier ein ziemlich musikalischer Beitrag.)

*Piiiiiieeeep*

30 Wochen Babymädchen 

30 Wochen Babymädchen
(04.02.2016-10.02.2016)

Hold her
a little
longer
Rock her
a little
more
Tell her
another
story
(you’ve only told her 4)
let her sleep
on your
shoulder
rejoice in
her happy
smile
she is only
a little
girl
for such
a little
while.

Was wir erlebt haben:

Alaaaaf!
Helau!
Dein erster Karnevalsumzug stand an.
Als rosa Kaninchen hast Du bei Papa in der Fräulein Hübsch GANZ GENAU aufgepasst, während das große rosa Schwester-Kaninchen „BONGONGS“ gesammelt hat.
… Und vielleicht hast Du ein kleines bisschen geschlafen.
Aber nur ein kleines bisschen.
Ist ja alles ganz schön aufregend für kleine Kaninchenbabys.
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Dein TrinkBeikostverhalten:

– Wir haben diese Woche was ganz verrücktes, nie dagewesenes, hoch experimentelles gewagt:

Es gab….Kürbis.
Unmissverständlich gabst Du mir zu verstehen, dass Du so etwas widerliches nie wieder in der Nähe Deines Mundes auch nur erahnen möchtest.
Kommando zurück…
Also trottete Mama erneut zur Mikrowelle und machte Dir Deine Leibspeise warm.
Einmal Pastinake, immer Pastinake.
Ende gut, alles gut.
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Dein Schlafverhalten:

Herr Düse kam neulich Abends von der Arbeit nach Hause und berichtete mir von seinem Morgen.
Er stand wie immer auf, duschte, bereitete seinen Kaffee zu, schmierte sich noch ein Brot und ging zur Tür hinaus.
Im Hausflur klingelte dann… SEIN WECKER.
Es war 06:30 Uhr.
Zeit zum Aufstehen.
Man könnte fast meinen, er sei durch den vorherrschenden Schlafmangel etwas durch den Wind.
…. Aber nur fast.
Um 06:45 Uhr auf der Arbeit zu sitzen, hat ja auch einen gewissen Charme. 😂🙈

Was Du alles Neues kannst:

– Immer häufiger gehst Du mittlerweile schon in den…. äh… Was ist das? Unteroberarmvorderhufstütz?

– In Deiner Wippe setzt Du Dich jetzt aus der Schrägen heraus komplett alleine auf. 👏
Hauptsächlich allerdings um meine Backschublade zu plündern, was ebenfalls Tiffys Lieblingsbeschäftigung ist.
Was habt ihr nur mit meiner Backschublade????

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– Die Wippe scheint diese Woche eine ganz große Nummer zu sein.
Du versuchst mit stoischer Gelassenheit und akribischer Feinarbeit, den Klett, mit dem Du festgeschnallt bist, zu öffnen.
2x ist es Dir bereits gelungen.
Wenn man nicht überall seine Augen hat…

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– Die „DADADA“- Phase hat angefangen.
Erst bewegt sich nur dein Kiefer, dann kommt nach ein paar Sekunden Sound dazu.
Das ganze gepaart mit Deinen 2 „Fahrkartenlocher“ Zähnchen ….
Oh mein Gott, ich schmelze dahin 😍😍

Dein Gewicht:

8240g

Deine Größe:

72cm

Deine Kleidergröße:

68 (in den allerletzten Zügen)/74

Windeln:

New Baby Größe 3

Körperliche Gebrechen:

And the nose keeps runnin‘ runnin‘, and runnin‘ runnin‘, and runnin‘ runnin‘, and runnin‘ runnin’….
Rotznase 24.0
Holy Moly… So oft wie Deine Nase läuft, will man fast meinen, sie läuft vor irgendwas davon.
Das scheint wohl so ein „Pech gehabt“ für das 2. Kind zu sein.
Naseputzen scheinen übrigens auf der Höllenqualen-Skala direkt neben „Anziehen“ ganz weit oben zu stehen.
Hurra.

Wie Du am Liebsten schläfst:

Beine über Kreuz und hochgelagert, am allerliebsten an Mama gekuschelt und die Beine auf meinen ruhend.
Und auch wenn es für mich manchmal so unbequem ist, dass mir alles abstirbt, bleibe ich so mit Dir liegen.
Weil es so wunder,wunderschön ist. ❤️

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Produkt der Woche:

Der variable „Beschäftigungshaufen“ auf dem Esstisch im Bewegungsradius vor Deinem Hochstuhl.
Während wir essen, brauchst Du vor allen Dingen eins:
Was zum Spielen.
Dabei fällt das Objekt der Begierde durchschnittlich alle 2,7 Sekunden zu Boden, also benötigen wir genug Nachschub, wenn ich mich nicht permanent bücken will.
Wenn ich also schnell genug das Essen in mich reinschaufele, schaffe ich einen viertel Teller, bevor eine Charge Spielzeug durch ist. 😊

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Mama Facts: 

Mamas Körper:

– Diese Woche sehr in Mitleidenschaft gezogen.
Beim Stillen beisst du mir nun immer häufiger in die Brust, während Du Deinen Kopf dabei (mit Brust im Mund!!) zur Seite wegziehst.
Und ja, es tut genau so scheisse weh, wie es sich anhört. 😷
Gott sei Dank habe ich noch ein paar Multi Mam Kompressen gefunden.

– Mc Donalds.
Duuuuuuuuuuu.
Letzte Woche kehrten wir am „Fastfood-Samstag“ beim vom Tiffy liebevoll getauftem „POOOOOMEEEESSSSSS“ ein.

Ich habe 2 Tage gebraucht um mich davon zu erholen.
2 Tage Schüttelfrost, Erbrechen und dem Wunsch, auf der Stelle abzuleben.
Der Fastfood Samstag ist bis auf weiteres ersatzlos gestrichen.

Mamas Gewicht:

Dank POOOOOMEEEESSSSSS -1,3kg
(Noch 1,8 Kg bis zum Pre-Schwangerschaftsgewicht)

35 + 1 ODER: #Männerrollen

#maennerrollen

Vor ein paar Tagen fragte Bettie in ihrem Blog „Frühes Vogerl“ wo sich denn die Männer in den unzähligen Mamablogs so verstecken.

Eine ihrer Freundinnen stellte fest:
„Abwesend sind die Männer in den Blogs, wie in den Fünfzigern.” – und jetzt möchte sie von uns wissen, ob und wie und warum und weshalb unsere Männer mit An- oder Abwesenheit in unseren Blogs glänzen.

Herr Düse spielt auch in meinem Blog nur eine Statistenrolle und taucht lediglich ab und zu in Gefahrensituationen (Dam-dam-dam-dam… inklusive furchteinflössender Flosse an der Wasseroberfläche) oder an für die Story unverzichtbaren Stellen auf.
Mit Erschrecken habe ich gerade festgestellt, dass ich zwar sogar die Kategorie „Zahnarzt“ in meiner Kategorienliste habe, jedoch keine Kategorie „Herr Düse“.
Warum?
Wir leben ja schliesslich im Jahre 2015 und es herrscht Gleichberechtigung und so…!?
Rangiert im Jahre 2015 der Zahnarzt noch vor dem Ehemann?

Als ich ihm von der Blogparade inklusive des Zitates erzählte, war seine Antwort darauf:
„Und in den 50ern war das genauso? Da gab es auch keine Männer in den Blogs?“

… Noch Fragen? 😜

Ich hätte euch gerne das entsprechende Bild dazu hochgeladen…
Mein Herr Düse saß, gebeutelt vom wenigen Schlaf der letzten Nächte und dem Stress auf der Arbeit, mit zerzauster Frisur und einer Hand auf dem linken Auge (Originalzitat: „Ich glaube ich brauche eine Augenklappe! Mein Auge zuckt schon ganz nervös!!“) und badete sich im tiefsten Selbstmitleid. („Mein persönliches Highlight des heutigen Tages war heute Mittag mein Mittagessen in der Kantine! Mein HIGHLIGHT!!“)

Aber hier wird es auch künftig weder Herr- noch Frau Düse Fotos zu bewundern geben…
Schlicht und ergreifend, weil ich gerne anonym bleiben möchte.
In meinem Blog geht es teilweise sehr intim zu (gerade während der Kinderwunschbehandlungszeit) und ich möchte selber entscheiden, wem von meinen Freunden/Bekannten/Kollegen ich so nahe stehe, dass ich ihnen meine Gefühlswelt auf dem Silbertablett präsentiere.
Ausserdem könnte ich vermutlich nicht mehr so unbefangen schreiben, wenn ich wüsste, dass mir persönlich bekannte Menschen mitlesen.
So bin ich immer nur die „Düse“, nicht die „so-heiße-ich-in-echt“.
Im schlimmsten Falle war es dann die Düse und ich hab damit nix zu tun. 😉

Aber die liebe Bettie hat Recht, wir sollten unsere Männer nicht verstecken.
Nicht aus Angst, erkannt zu werden (Wo kommen wir denn dahin, wenn wir uns durch unsere Männer definieren? Dann sind wir tatsächlich und wahrhaftig in den 50-gern angelangt!) oder aus falscher Bescheidenheit. (Hö, hö!)

Deswegen habe ich ihm nicht nur unverzüglich eine eigene Kategorie eingeräumt, ich möchte ihm ausserdem heute die Möglichkeit geben, sich hier „einzuschleichen“, damit er wenigstens die winzig kleine Chance hat, sich selbst vorzustellen.

10 schnelle Fragen und dann bist Du auch schon „erlöst“, lieber Ehemann.
Du darfst dann wieder in „Habacht!“ -Stellung zurückverfallen…
Oder du entdeckst Deine Liebe zum Schreiben und wir schreiben ein Cuvée?
(Wobei ich Dich gut genug kenne… Du wirst mich beim Anblick des Wortes „Cuvée“ schon zum ersten Mal gefragt haben, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. 😉)

Hallo liebe Frau Düse,

ganz bezaubernd wie du mich an dieser Stelle förmlich auf die Bühne schmeißt! (Vorhang auf… Spot an!)

Aber ich will mich an dieser Stelle natürlich nicht verstecken und beantworte GERNE Deine Fragen.

1) Bier oder Wein? Was für eine Frage… Bier!

2) Laut oder Leise? Gerne laut, leise ist aber auch ok

3) Wenn Du ein Tier wärst…
Wen oder was würdest Du als erstes fressen?
Da zwängen sich gerade zu mehr und mehr Personen auf. Ja wir reden über Menschen, ich wäre also ein Fleischfresser… wie wäre es zum Frühstück mit meiner halben Familie?

4) Ein Zitat, dass Deine momentane Stimmung beschreibt: Die Erfahrung lehrt uns, dass Liebe nicht darin besteht, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in gleicher Richtung blickt. Antoine de Saint-Exupery

5) Dein Lieblingsessen: uuuiiihhhh… ich glaube derzeit alles vom Grill!

6) Dein Lieblingsäktschnfuim,- serie oder sonstigem Männer-TV-Trash: Ganz klar und klassisch: Game of Thrones

7) Darauf freust Du Dich jedes Jahr: auf unseren Urlaub…naja fast jedes Jahr

8) Wenn Du einen Tag lang Präsident der USA wärst, was würdest Du tun? Wie das jeder Mann für einen Tag machen würde: Ausschlafen, Freunde einladen, Bier kaufen, Playstation zocken… Obama hat bestimmt ein fettes „Game-Zimmer“ 🙂

9) Was würdest Du tun, wenn Du einen Tag lang eine Frau sein könntest? … ein voller Tag PMS bitte Ladies! Ich will endlich mitreden können!!

10) Beschreibe „Abseits“ für Frauen verständlich in 3 kurzen Sätzen.
Diese Frage hat definitiv in der Beantwortung die längste Zeit in Anspruch genommen. Am Ende konnte ich mich nicht entscheiden und habe daher beide für mich gültigen Antworten hier zur Niederschrift gebracht:
1.
“Abseits” liegt vor, wenn ein Spieler den Ball Richtung gegnerisches Tor zu seinem Mitspieler schießt und sich im Moment des Abspielens zwischen diesem Mitspieler und dem gegnerischen Tormann kein anderer Spieler der gegnerischen Mannschaft befindet. Und weil man Sachen immer besser checkt, wenn man den Sinn dahinter versteht: Gäbe es diese Regel nicht, könnte ein Spieler das gesamte Spiel über praktisch genau vor der Nase des gegnerischen Tormanns stehen bleiben und auf einen guten Pass warten, den er reindonnern kann, was dann ja wohl ziemlich langweilig wäre.
2.
Schrei „AAAABSEIITS“ wenn mindestens 40% der übrigen Leute vorm Fernseher „AAAABSEIITS“ schreien. Huch…das ging in einem Satz. Öhm… ich glaube heute wird es ganz schön heiß und gegen Abend soll es gewittern.

Danke, lieber Ehemann, für die ehrliche Beantwortung Deiner Fragen.
Und obwohl ich zu jeder Deiner Antworten mindestens einen flotten Spruch parat habe, beisse ich mir auf die Zähne (bzw. die Finger) und lasse alles unkommentiert.
Das war ja schliesslich DEIN Auftritt.

…. Unser erstes Cuvée.

Ich liebe Dich. ❤

27 + 3 ODER: Glücksmomente der Woche 13. – 19.4.2015

Glücksmomente der Woche

Ich folge dem Aufruf von dailypia auf ihrem Blog „Bis einer heult!“ und zeige euch meine persönlichen Glücksmomente der vergangenen Woche:

1) Sooooonnnnneeee.
Es gibt nicht schöneres, als es sich draussen im Garten mit einem alkoholfreien Bier bequem zu machen, dem Kind beim Sandkasten-spielen zuzuschauen und zu versuchen, etwas Farbe zu erhaschen. Dafür muss dann (leider, leider) alles andere im Haushalt liegen bleiben. Die Beaufsichtigung des Kindes hat schliesslich oberste Priorität 😉
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2) Frühlingsfest
Ich liebe Kirmes, Volksfest, Schützenfest, Kärwa, Jahrmarkt… Wie man es auch immer nennen mag (und da gibt es grosse regionale Unterschiede, wie ich durch meine vielen Umzüge durch Deutschland festgestellt habe… 😉) – ich finde es großartig!
Alleine die Atmosphäre, die verschiedensten Gerüche in der Luft, die Musik, die gute Laune… Für mich könnte jeden Tag Kirmes sein!
Umso schöner, dass bei uns in der Stadt gerade das Frühlingsfest ist.
Mit Kind im Buggy und Gemahl an der Hand ging es dann mitten rein ins Vergnügen.
Tiffy hat gleich Gefallen an meiner pinkfarbenen Zuckerwatte gefunden, die ich dann bereitwillig mit ihr geteilt habe.
Am Ballonstand gab es leider auch kein Entrinnen und so trug es sich zu, dass wir stolze Besitzer eines 10€ Helium-Kätzchens wurden.
Was solls, das Kind hat sich vor Freude kaum mehr eingekriegt.
Wir verliessen den Festplatz jeder mit 2 Popcorntüten unter den Achseln geklemmt, gebrannten Erdnüssen im und einer lebensgroßen, schwebenden Ballonkatze am Buggy sowie einem in Zuckerwatte getränktem Kind glücklich, satt und zufrieden.
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3) Herrn Düses Geburtstag.
Noch schöner, als beschenkt zu werden, finde ich es ja, selber zu schenken.
Ich liebe es zu sehen, wie ich anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, wenn ich (hoffentlich 😜) das Richtige gefunden habe. (In unserem konkreten Fall handelte es sich um einen 10 Tonnen schweren Pizzastein für unseren Grill)
Wie schon in meinem Schwangerschaftsupdate geschrieben, hatten wir einen tollen Tag mit Geschenken, Torte und Bratwürstchen.
Von mir aus könnte viel öfter Geburtstag sein.
Alleine schon wegen der Bratwurst.

4) Mein Victorias Secret Paket.
Da wir ja diesen Sommer einmal USA „aussetzen“ müssen, ich aber uuuuuuunbedingt fürs Krankenhaus diese eine Kulturtasche von Victoria’s Secret brauchte, habe ich den Onlineshop von VS bemüht. Glücklicherweise hatte mein Papa eine Geschäftsreise nach Kalifornien geplant, so dass ich die Sachen bequem zu ihm ins Hotel schicken lassen konnte und mir dadurch 30$ Porto und 19% Umsatzsteuer erspart habe. ☺
Mein Vater hat dann beim Einchecken im Hotel ganz easy nebenbei bemerkt: „There must be an envelope for me…“ (Der gute ging wohl davon aus, dass ich mir nur ein paar Schlüppis bestellt habe…)
Der Portier kam nach 40 Minuten suchen dann mit diesem kleinen „Envelope“ aufs Zimmer:
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😂
Nach kurzer Schnappatmung und einer wutenbrannten Whatsapp an mich: „Wie zum Henker soll ich dass denn mit nach Hause kriegen??????“ hat er dann aber festgestellt, dass Victoria’s Secret einfach nur unheimlich… großzügig einpackt.
Und nun freu ich mich… An meiner neuen Kulturtasche, den Schlüppis und einem kleinen bisschen „USA-Feeling“.

5) Wir sind wieder online.
Und telefonisch erreichbar.
Vor ca. 5 Wochen war nämlich auf einmal unser Internet weg.
Panik.
Ratlosigkeit.
Wut.
Verzweifelung im Hause Düse.
Herr Düse hat daraufhin bei der Kundenhotline unseres verhassten
Telekommunikationsanbieters angerufen (nachdem wir den Router 300 Mal resettet haben und ich ca. 750 Mal bestätigen musste, dass das W-LAN Lämpchen nur blinkt und nicht LEUCHTET) und den Mitarbeiter gefragt, warum sie uns eigentlich hassen.
(To make a long story short: Wir hatten nur Ärger mit denen. Nur. Deswegen haben wir alle Smartphone-, Tablet und sonstige Verträge mit denen auch gekündigt)
Witzige Geschichte: Den Festnetzanschluss hatte mein lieber Ehegatte damals in einem Anfall von überschäumender Wut auf den Saftladen direkt mitgekündigt.
Die Kündigung wurde uns, wie es sich für einen Saftladen gehört, natürlich nicht bestätigt und mein Mann gehört nicht zur Gattung „Ich führe eine ordentliche Ablage“… So ergab eines das andere. 😉
Es waren harte Wochen ohne Internet.
Mein Smartphone hatte zwar LTE, allerdings überall, nur nicht in unserem Stahlbetonbunker.
Da durfte ich mit „E“ surfen.
Wer das jemals mit durchgemacht hat, weiss wovon ich spreche und welche Höllenqualen ich durchlitten habe.
Ich habe kurzzeitig überlegt, meine Tage abwechselnd bei Mc Donalds und/oder Starbucks zu verbringen… Des WLANS wegen.

Nun, die dunklen Zeiten sind vorbei und wir sind wieder voll dabei.
Mit Streaming, High-Speed-Surfing, Up- and Downloading und allem, was dazugehört.
Was wir daraus gelernt haben:
– Unser Ex Telekommunikationsanbieter ist WIRKLICH scheisse.
– Mein Mann ist ein Chaot.
– Wir sind hochgradig Internetsüchtig.

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Bild: Pixabay.com

Nunja. Gibt schlimmeres.
Haarausfall beispielsweise.

1+1=4

1+1=4

Mittlerweile fühlt sich die ganze Schwangerschaftsklamotte schon wie ein alter Hut an.

Nachdem ich den ersten „Schock“ überwunden habe und mir lang und breit jegliche Horrorszenarien durch den Kopf habe gehen lassen (Kind 2 wird wie Kind 1 und schreit nur/Kind 2 schläft genauso schlecht wie Kind 1, das -nebenbei erwähnt- bis heute noch nicht durchschläft/Kind 2 will wie Kind 1 im 2-Stunden Rhytmus an die Brust und zwar für mindestens 45 Minuten/Kind 1 wird weinen, weinen, weinen, weil es mich teilen muss/Kind 1 & 2 werden beide mit im Familienbett nächtigen und ich habe dann noch schätzungsweise 0,03cm Platz zum Schlafen/Ich werde nie wieder Schlafen……..) genieße ich jetzt unser kleines Geheimnis einfach nur.

Herr Düse hat das alles übrigens doch recht gefasst aufgenommen.
Ich habe den positiven Pipitest in meiner Hosentasche gehabt und habe auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, es ihm irgendwie schonend beizubringen.
Ich konnte es nicht.
Ich habe mir dann irgendwie mein Frühstück runtergewürgt, bin dabei nervös mit dem Hintern hin- und hergerutscht und habe mir beinahe vor Angst in die Hose gemacht.
Nicht weil mein Mann so ein brutaler Schläger ist, der mich sofort und auf der Stelle verlassen hätte, sondern weil ich einfach Angst hatte, es laut auszusprechen.
Das hat es dann nämlich so wahr gemacht.
Ich habe mir immer wieder gesagt „Dumusstesehsagendumusstesehsagen“ und habe nach dem gefühlt 3000sten Herzaussetzer gefragt:
„Du saaaaag maaaaaaal…? Wie belastbar bist Du momentan in Sachen, die unsere Beziehung betreffen…???“
Daraufhin erstmal Stille.
Relativ zügig gefolgt von „Sagmirjetztabersofortwaslosistwasistloswasistloswasistlos????“
Mein -zugegebenermaßen relativ schwacher- Versuch, alles noch zu vertuschen, in dem ich in Embryonalhaltung auf dem Stuhl gekauert „Ich kann es nicht sagen“ genuschelt habe wurde durch ein: „SAG ES!!!“ jäh zunichte gemacht.
Ein beherzter Griff in die Hosentasche, ihm den Test auf den Tisch geworfen gelegt, Kopf noch mehr eingezogen und gewartet.

Seine Reaktion war in etwa wie folgt: (Gedächtnisprotokoll)

„Nein, ne?“ (Entsetzter Gesichtsausdruck)
„ICH HABS GEWUSST!!!“ (Entrüsteter Gesichtsausdruck)
„Sie ist dann ja noch nicht mal 2!!!!!“ (verzweifelter Gesichtsausdruck)

… Und das alles in wenigen Sekunden.
Heidi Klum hätte, wäre mein lieber Gatte eines ihrer Modelschützlinge, ihre wahre Freude an seinem außergewöhnlichem Facettenreichtum gehabt.
Denn nur eine kann Germany’s…. lassen wir das.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Im ersten Moment waren wir beide geschockt, ich hatte nur den klitzekleinen Vorteil, es erstmal „alleine“ verdauen zu können. Heimvorteil.
Ich habe Herrn Düse angeboten, erstmal eine Runde joggen zu gehen um den Kopf frei zu kriegen; allerdings war seine Situation dann wohl doch nicht sooooo verzweifelt.

Nachdem wir dann am nächsten Tag den Anruf mit dem Ergebnis des Bluttests bekommen haben, hat er mich erstmal fest in den Arm genommen und gesagt: „So, jetzt komm mal her!“ und mich geküsst.
Mitten auf dem Parkplatz bei LIDL. (Muss ich eigentlich extra erwähnen, dass der Anruf just in der Sekunde kam, als ich mich zum Bezahlen in die 10 Kilometer lange Schlange eingereiht und gerade dabei war, auszupacken? Nein, oder?)

Und jetzt… keine Woche später… fühlt es sich an, als wäre es immer schon so gewesen.
Die Sorgen weichen immer mehr der Freude über das neue Leben, das in mir heranwächst und der unglaublichen Ehrfurcht vor dem Wunder, das geschehen ist und zu dem neuen Leben geführt hat.
Da hatten wir doch einfach zum richtigen Zeitpunkt Sex (was bei dem Schlafverhalten von Tiffy schon als eigenes Wunder zu betrachten ist), das Ei ist trotz PCO REIF gewesen und tatsächlich GESPRUNGEN, Herrn Düses Schwimmer haben es durch die Armee meines alleszerstörendem Zervixschleims hindurch durch meine kaputten Eileiter tatsächlich geschafft, das Ei zu befruchten und es hat sich dann ganz von alleine auf den Weg in die Gebärmutter gemacht (auch hierbei verweise ich nochmal auf meine kaputten Eileiter…), sich vorbildlich geteilt und anschließend eingenistet.
Ich fasse es nicht.
Wenn man bedenkt, wie groß bei meiner IVF/ICSI die Spanne war zwischen entnommenen Eizellen und der Anzahl von Blastos nach 5 Tagen – und das bei optimalen Bedingungen.
Es ist ein Wunder.
Am Montag habe ich meinen ersten Ultraschalltermin und ich bin soooo aufgeregt.
Ich bete dafür, dass alles da sitzt, wo es sitzen soll und ich eine unbeschwerte, komplikationslose Schwangerschaft erleben darf.

… Und Herr Düse ist jetzt noch aus einem anderen Grund völlig Feuer und Flamme.
Wir waren nämlich heute bei einem Bauträger, um uns unser Traumhaus kalkulieren zu lassen.
Wir brauchen ja jetzt etwas mehr Platz. 😉

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Bild: pixabay.com

Geburtsbericht.

Geburtsbericht.

(Tiffy; geplante Sectio wegen BEL und Unterversorgung)

 

30.09.2013

Ich habe schlecht geschlafen.
Eigentlich so gut wie gar nicht.
Der Wecker klingelt um 05:00 Uhr; Herr Düse geht duschen.
Ich kann keine Sekunde mehr schlafen.
Ich streichele über meinen Bauch und spüre Dich in mir strampeln.
Ich liege im Dunklen und genieße es, ein letztes Mal mit Dir alleine zu sein.
Du bist mir so unglaublich nah.

Ob Du wohl weißt, dass heute Dein großer Tag gekommen ist?!
Spürst Du eine Veränderung?
Das ganze Wochenende warst Du so aktiv, als ob Du mir sagen wolltest: Mama, ich weiß, dass ich bald bei Dir bin.
Heute Morgen gibt es in diesen paar Minuten ein letztes Mal Dich & mich.
Ich glaube, ich weine ein bisschen.

Ich gehe duschen, föhne mir die Haare; alles zum letzten Mal bewusst.
Auch wenn ich am liebsten die Zeit für immer anhalten würde, ist es dann soweit. Wir müssen los.
Ich gehe durch die Tür und scheiße mir beinahe vor Angst in die Hose.
Als wer werde ich wiederkommen?
Was erwartet mich?
Wie wird es Dir ergehen?
Bist Du gesund?
Werde ich auf dem OP-Tisch sterben?
Wie ist es, Mama zu sein?
Werde ich Dich auf der Stelle lieben?
Werde ich Schmerzen haben?

Herr Düse muss nochmal zurückfahren & gucken, ob die Haustür WIRKLICH abgeschlossen ist.
Ich könnte es nicht ertragen, mit dem Gedanken, ob auch wirklich alles abgeschlossen/ausgeschaltet ist, auf dem OP Tisch zu liegen.

Er kommt wieder.
Die Tür war abgeschlossen.

Natürlich war sie das.

Ich fühle mich trotzdem weder bereit noch befreit.
Wir fahren los.
Mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen, wird es mir „egaler“ ob unsere Wohnung ausbrennt/ausgeräumt/wasweissichwas wird.
Ich habe einfach nur Angst.
Eigentlich fühle ich mich nicht bereit.
Ich trage heute ein letztes Mal mein „Vegas“ Umstandsshirt.
Die ganze Autofahrt über streichele ich meinen Bauch.

Maus, heute ist Dein großer Tag.

Der einzige Grund, warum ich noch nicht völlig durchgedreht bin ist, dass ich weiß, dass es das Beste für Dich ist.
Ich habe die Verantwortung für Dich.
Deine Mama ist stark für Dich.

Wir kommen im Krankenhaus an.
Das Parkhaus ist so gut wie leer.
Ich atme tief durch und gehe rein.
An der Anmeldung gebe ich meinen Zettel ab; die vorstationäre Aufnahme haben wir ja schon am Freitag gemacht.
Die Frau am Empfang wünscht mir noch alles Gute.
Ich laufe den Gang entlang zu den Aufzügen.
Herr Düse ist immer an meiner Seite und versucht mich zu beruhigen.
Trotzdem fühle ich mich mutterseelenallein.

Oben angekommen werde ich auf einmal ruhig.
Die Betten vor dem Kreissaal, der Geruch nach Krankenhaus… all das macht mir gerade irgendwie gar nichts aus.
Letzte Woche noch musste ich mich beinahe übergeben beim bloßen Anblick eines leeren Krankenhausbettes.

Ich atme nochmal tief durch und drücke auf die Kreißsaal-Klingel.
Eine Hebamme öffnet uns, ich stelle mich vor und wir werden ins Wartezimmer gebracht.
Ich lese irgendeinen Flyer; ich habe Durst.
Ich bekomme SMS von Mama und einer Freundin.
Sie denken an uns.
Sie haben Kerzen für uns angezündet.
Es beruhigt mich ungemein, dass an mich gedacht wird.
So kann ich immer an die brennenden Kerzen denken, wenn ich das Gefühl habe, dass mir die Luft wegbleibt.

Irgendwann steht eine Ärztin mit Blut an ihrer OP-Kleidung in der Tür, sie hat einen Fleecepulli drüber und sieht total übernächtigt aus.
Sie sagt, sie ist von der Nachtschicht (Echt? Hätte ich niemals mit gerechnet!!) und will einmal kurz im Ultraschall gucken, ob Du noch in BEL liegst.
Irgendwie wird mir erst zum Schluss klar, dass das das letzte Mal war, dass ich Dich im Ultraschall gesehen habe.
Du liegst noch in BEL… und irgendwie bin ich auf merkwürdige Art & Weise erleichtert darüber.
Du wirst also wahrhaftig, wirklich gleich geboren!!!

Ich wische mir ein letztes Mal das Ultraschallgel vom Bauch, ächze mich von der Liege und wir treffen auf dem Flur auf ein Pärchen am Wehen veratmen.
Das machen sie anscheinend schon länger.
So wie die aussehen mindestens seit gestern Abend.
Puuuuuh. Neeee.
Ich gehe nochmal aufs Klo (Mein letztes Mal!!!) und dann geht es in „unseren Kreißsaal“.
Ich freue mich, dass wir einen eigenen Kreißsaal haben… nach der Diagnose Kaiserschnitt dachte ich, unser kurzes Tête á Tête auf dem Infoabend wäre das erste und einzige Mal gewesen.
Das wäre echt schade gewesen, wenn man bedenkt, dass die Optik und Funktionalität der Kreißsäle ein nicht unwesentliches Entscheidungskriterium bei der Wahl unserer Klinik waren.
Wir haben sogar einen mit Fenster. Ha!

Ich muss die Thrombosestrümpfe anziehen.
Ein Ding der Unmöglichkeit.
Herr Düse schießt mich mit rein.
Hot, Hot, Hot!

Dann geht’s ans Eingemachte.
Ich steige ein letztes Mal aus meinen restlichen Umstandsklamotten; ich fühle mich, als würde ich mein altes Leben abstreifen.
Dann steige ich in mein neues, unwirkliches Leben – in Form eines OP-Hemdchens und eines Netzschlüppis.
Die Hebamme, die mittlerweile gekommen ist, sagt: “Frau Düse, legen Sie sich ruhig schon in ihr Bett.“
MEIN BETT.
Ouargh.
Ein Krankenhausbett; MEIN Krankenhausbett; DAS Krankenhausbett, in dem ich mit MEINEM Baby liegen werde.
Ich habe Angst.
Ich will nach Hause.
Wir schreiben noch ein CTG.
Ein letztes Mal.
Wir sprechen nicht viel.
Irgendwie ist das alles sehr unwirklich.
Wir lauschen Deinem Herzschlag; sehen, wie Du strampelst; ich spüre Dich.
Ich streichele dein Köpfchen, das sich direkt unter meinem Rippenbogen befindet; dein kleines, zartes Köpfchen.
Das alles in der Gewissheit, dass das alles gleich der Vergangenheit angehört und wir dich endlich kennenlernen dürfen.
Wir fotografieren den CTG-Streifen noch und nehmen Deinen Herzschlag auf.

Ich möchte am liebsten die Zeit für immer anhalten; möchte diese letzten, kostbaren Minuten tief einsaugen und niemals vergehen lassen.
Jede Faser in meinem Körper sehnt sich und schreit nach genau dieser Veränderung und doch sträubt sich alles in mir dagegen.
Ich bin kein Typ für Abschiede.
Bei Abschieden muss ich immer weinen.
Und da der heutige Abschied ja eigentlich gar kein Richtiger ist, will ich nicht weinen.
Ich versuche, Dich zu beruhigen (oder doch eher mich?!).
Dich darauf vorzubereiten, dass Du gleich aus der warmen Höhle „gerissen“ wirst.
Ich flüstere es Dir mental ins Ohr.
Das sind die letzten Minuten, die nur uns gehören, mein Kind.
Ich werde sie niemals vergessen.

Irgendwann werde ich nervös.
Der OP-Termin war für 08:00 Uhr angesetzt. Es ist 07:50 Uhr.
Ich bin so heilfroh, dass wir „hier oben“ in den OP dürfen.
„Hier“ ist nicht so weit weg; „Hier“ kenne ich; vor „Hier“ brauche ich nicht so viel Angst zu haben.
Wir haben der diensthabenden Hebamme vorhin unseren Geburtsplan in die Hand gedrückt – in der Hoffnung, dass unsere Wünsche wenigstens halbwegs umgesetzt werden.
Sie war sehr nett, hat sich alles durchgelesen und genickt.
„Das machen wir“, hat sie gesagt, „vorausgesetzt dem Kind geht es gut…“.
Ach neeeeee.
Trotzdem bin ich erleichtert.
Und dann, mit einem Lächeln auf den Lippen, als ob das nur eine klitzekleine Nebensächlichkeit wäre…:
„Bei manchen wirkt die Spinale ja nicht, dann machen wir halt eine Vollnarkose….“
Ich unterdrücke die in mir aufsteigende Panik und beschließe, mir darum keine Sorgen zu machen…
Bei mir wirkt die Spinale.
Punkt.

Irgendwann kommt sie wieder rein & dann geht alles ganz schnell.
„So, dann gehen wir mal langsam rüber!“
Ich werde vom CTG abgestöpselt und mit meinem Bett in Bewegung gesetzt.
Ich hätte gerne noch einen Kuss, eine Berührung von Herrn Düse, aber irgendwie geht das unter.
„Wir sehen uns gleich im OP.“
Das waren also unsere letzten Momente in Zweisamkeit.

Ich werde von der Hebamme und der Anästhesistin über den Flur geschoben.
Mir ist sowas ja immer unangenehm; ich würde am liebsten aussteigen und mein Bett selber in den OP schieben… ich bin doch schließlich nicht krank!?
Die Anästhesistin redet noch über die Heparin Spritzen mit mir.
Jede Faser meines Körpers ist angespannt.
Im OP angekommen bewundere ich erstmal den Shabby-Chic und muss dann von meinem Bett auf die OP-Liege krabbeln.
(Ach ja, und DABEI hilft mir jetzt keiner!???)
Es wuseln 1000 Leute um mich rum; ich bin völlig überfordert.

Gott sei Dank ist sie da… die Anästhesistin.
Die kenne ich.
Die mag ich.
Ihr Anblick & ihre Ausstrahlung beruhigen mich total.
Schwester Claudia (ich nehme an, sie ist Anästhesieschwester/-pflegerin oder wie auch immer sich das schimpft…) legt mir dann einen Zugang in die linke Hand und einen in die Armbeuge.
Der an meiner Hand wird direkt an einen Tropf angeschlossen.
„Hier bekommen Sie das Getränk, wir hatten das am Freitag besprochen, erinnern Sie sich…?“
Ähm.. kann sein.
Muss aber nicht.
Freitag ist unendlich weit weg.
Ich kann mich nicht erinnern.
Ich nicke aber trotzdem.

Nach ein paar Sekunden fängt es höllisch an zu brennen.
Auf meine Nachfrage, ob das „so muss“ ernte ich ein „Scheiße, die Hand ist ja schon ganz dick!“
Ähm… ja.
Ich werde kurz panisch und beschließe, einfach die Augen zuzumachen und alle machen zu lassen.
Die Braunüle wird mir wieder gezogen und den nächsten Anlauf nimmt die Anästhesistin selbst in die Hand.
Zack, eine neue Braunüle in die linke Hand – jetzt allerdings außen am Handgelenk.
Dieses Mal brennt nichts.
Gott sei Dank.
Dann gibt es an den rechten Arm noch das verhasste Blutdruckmessgerät, was während der gesamten OP-Zeit alle 2 Minuten meinen Blutdruck misst und an den linken Zeigefinger diesen Puls-/Sauerstoffsättigungsclip.
Ich hänge wie eine Marionette an lauter Kabeln & Schläuchen.
Dann gerät alles ein bisschen ins Stocken… der Arzt ist noch nicht da.

Zwischenzeitlich wuseln 1000 neue Leute um mich herum, stellen sich vor und hasten von links nach rechts.
Ich versuche, meinen Blick von den Instrumententischen rechts neben mir abzuwenden und betrachte lange & ausgiebig das dicke Heizungsrohr vor mir.
Der Arzt scheint ein sympathischer Typ zu sein, denn die anderen werden schon leicht gereizt und sagen:
„Ruft ihn an. Und sagt ihm, er soll JETZT kommen.“

Ich beschließe, ihn jetzt schon zu mögen.

Anscheinend ist er nicht mehr weit weg, denn wir können jetzt die Spinale legen.
Ich muss wie im Fernsehen auf meiner Liege ganz nach vorne rutschen und den typischen „Buckel“ machen.
Dann tastet sie nochmal meine Wirbel ab.
Danach wird Jod auf meinen Rücken gepinselt.
Schwester Claudia (warum habe ich mir DEN NAMEN gemerkt!???) hält mich; ich stütze mich auf ihr ab.
Die Anästhesistin erklärt mir genau was sie macht, aber irgendwie nehme ich das gar nicht richtig wahr.
Mir wird schlecht, ich bekomme Schweißausbrüche.
Ich traue mich aber erst nicht, was zu sagen, weil ich das Gefühl habe, sie haben außer der örtlichen Betäubung noch gar nichts gemacht.
Ich hänge also an Schwester Claudia und versuche, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.
Das funktioniert aber nicht wirklich.
Kurz bevor ich das Gefühl habe, auf der Stelle in ihren Schoss zu kotzen fällt mir ein, dass sie mir im Vorgespräch gesagt hat ich soll sofort sagen, wenn mir schlecht wird.
Das Blutdruckmessgerät braucht nämlich leider etwas länger (im Sinne von… „zu lang“…), um ein Kreislaufproblem zu diagnostizieren.
Der Hund.
Also schnell ein: „Mir ist voll schlecht“ rausgepresst und keine 2 Sekunden später geht’s mir besser.
Keine Ahnung, was sie gemacht hat, aber anscheinend liegt die Spinale schon (Kindergeburtstag. Wirklich wahr!) und gleichzeitig muss irgendein Gottes-Getränk durch meine Adern laufen.

Irgendwie ziemlich zeitgleich merke ich dann, wie meine Füße anfangen, taub zu werden.
Sie kribbeln, als wenn sie mir gerade eingeschlafen wären.
Ich wackele mit meinen Zehen – geht noch.
Witzig.
Dann werde ich sofort hingelegt & die Anästhesistin schwenkt den Tisch von links nach rechts; schräg nach oben, unten… kreuz und quer.
„Wir machen jetzt das mit der Lagerung!“ merkt sie noch an.
I remember.
Schwerkraft.
Wirkung der Spinalen.
Damit die nicht zu weit nach oben steigt.

Sie fängt an, mich mit einem Spray zu besprühen.
„Hier wärmer oder kälter? Wird es hier wärmer oder bleibt es gleich?“
Ich fühle mich wie beim Sehtest beim Augenarzt und habe auch direkt dieselbe Angst davor, zu versagen.
Was, wenn ich das jetzt nicht richtig spüre?
Entweder bin ich dann nicht richtig betäubt und erlebe die OP unter grausamen Schmerzen oder ich bin SO GUT betäubt, dass sie in meine Lungen läuft und ich qualvoll ersticke…
Ich konzentriere mich wie beim Verfassen meiner Abschlussarbeit; warm, kalt, ja, nein, vielleicht.
Das artet ja in Schwerstarbeit aus!

Mit den Worten:
„Sie sollen hier ja nicht die Einzige ohne das schicke Hütchen sein…“ bekomme ich dann auch die OP-Haube auf.
Ich lache und sage „Verdammt!“.
Ich höre das monotone Piepsen meines Pulses auf den Überwachungsgeräten und fühle mich kurzzeitig in den OP bei der Follikelpunktion zurückversetzt.
Nein, das haben wir hier & heute hinter uns gelassen.
Die Anästhesistin fragt mich: „Haben Sie in der Schwangerschaft viel Sport gemacht?“
Ich dachte ernsthaft, sie will mich verarschen.
„Ja“, sage ich, „Ja im Sinne von Nein!“
Sie lacht.
„Sie haben so einen ruhigen Puls; ich kann es gar nicht glauben. Als ob sie das jeden Tag machen würden.“
Äh ja.
Wenn meine Haare nicht schon unter der Haube stecken würden, würde ich mir jetzt eine Strähne aus dem Gesicht pusten wie ein Zirkuspony.
Ich bin die Ruhe selbst.
Hab ich doch schon immer gewusst.

Durch die Bauchpinselei war ich kurzzeitig abgelenkt und habe gar nicht mitbekommen, dass zwischenzeitlich der Sichtschutz aufgebaut wurde.
In meiner Vorstellung (bestärkt durch intensive TV-Recherche) ein kleines, blaues Tuch, über das ich einfach nicht schauen kann, um mir den Anblick auf meinen offenen Bauch und ggf. herausragendes Gedärm zu ersparen.
In der Realität eine Kinoleinwand-Große, abgehängte Fläche, die nicht nur vor, sondern auch noch über meinem Kopf hängt.
Ich bin irritiert.
„Ich sehe ja gar nichts mehr!“
Es wird gelacht.
„Sollen Sie ja auch nicht!“ höre ich von der anderen Seite des Tuches.
Aufgrund des gigantischen Ausmaßes natürlich sehr gedämpft.
Ich bin ein bisschen beleidigt.
Ich hätte gerne wenigstens die Zimmerdecke gesehen.

Auf einmal steht der Arzt neben mir und stellt sich vor.
Ich rieche sofort – der war noch eine rauchen.
Sag ich doch; sympathischer Typ.
Der ist dann wenigstens entspannt beim Operieren.
Ich will noch einen flotten Spruch loslassen, mir fällt aber irgendwie keiner ein.
Er verschwindet hinter dem Pavillon über meinem Bauch.
Ich frage noch einmal mit Nachdruck, ob es normal ist, dass ich meine Zehen noch bewegen kann.
Um meinen Worten die nötige Tiefe zu verleihen, demonstriere ich mein Können auch gleich.
Ich glaube zumindest, es zu demonstrieren.
Kann auch sein, dass ich lediglich mit den Ohren gewackelt habe… ich bin ja schließlich betäubt.
Ich werde beruhigt. „Ja, bei manchen Patienten ist alles bewegungsunfähig und bei manchen geht das noch. Alles gut.“
Na gut.
Ich glaube ihr.
Hinter dem Tuch geht’s langsam zur Sache.
Die zerschneiden mein Netzunterhöschen.
Ich bin empört.
Warum musste ich das dann überhaupt erst anziehen?
Dann wird alles desinfiziert.
Ich spüre, wie mir über den Bauch gestrichen und getupft wird.
Gott sei Dank habe ich ausreichend Bildungsfernsehen geschaut und weiß, dass das jetzt Jod ist. (Nicht auszudenken, was mir ohne diese Information gefehlt hätte. Nicht auszudenken!)
Dann sagt der Arzt: „Jetzt noch den Katheder.“
Ouuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuargh.
Ich hatte ernsthaft zwischenzeitlich gehofft, dass sie das vergessen würden.
Ich überlege nochmal kurz, was passieren würde, wenn ich jetzt einfach aufstehen und weggehen würde.
Leider fällt diese Option ja primär schon mal flach, weil mein Bewegungsapparat ja zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wirklich unter die Kategorie „Einsatzbereit“ fällt.
Und ich denke nicht, dass wackelnde Zehen reichen, um aufzustehen und zu laufen.
Im Nachhinein sehe ich die folgenden Aktionen durch eine Nebelwand….
Ich glaube, ich habe die Augen ganz fest zugekniffen, erst laut aufgestöhnt und dann versucht, nicht zu hyperventillieren, während die das Ding da unten reingefummelt haben.
Und ich bin nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass ein Teil von mir mit dem Setzen des Teils auf dem OP-Tisch gestorben ist.
Nein, es hat nicht wehgetan.
Ja, ich habe was gemerkt. („Manche Patienten…..“)
Nein, es war wirklich nicht schlimm.
Aber alleine die VORSTELLUNG! …. Nein, nein, nein!!!

Die Anästhesistin fängt wieder mit ihrem Spray an.
Warm, kalt… Bestimmt geht mein Puls jetzt DADURCH in die Höhe.
Anscheinend war irgendeine meiner Antworten zu zögerlich oder zumindest nicht zufriedenstellend (Ich hab‘s gewusst! Versagt, versagt, versagt!!!), denn auf einmal höre ich es von der anderen Seite des „Tuches“: „Merken Sie DAS?!“
Äh… nö. Was genau?
(Hinterher hab ich’s gesehen. Ein feiner Längsschnitt unter dem Bauchnabel. Und obwohl ich das ganz und gar nicht nett finde… NEIN, ich hab nichts gemerkt!!!!)
Danach werde ich wenigstens in Frieden gelassen.
Mit Sprays und Fragerei.

Dann kommt Herr Düse.
Ich grinse ihn an „Du siehst genauso gut aus, wie wir uns das vorgestellt haben.“
Irgendwie blende ich aus, dass noch mindestens 8 weitere Leute im Raum sind.
Herr Düse setzt sich hin und verschwindet aus meinem direkten Blickfeld.
Mangels schöner Aussichten (das blaue Tuch!!!!) schließe ich die Augen.

Die müssen schon längst angefangen haben zu schneiden, denn auf einmal höre ich, wie Flüssigkeit abgesaugt wird.
Oh mein Gott, ist das etwa schon das Fruchtwasser?
Wann haben die denn geschnitten?
Ich habe davon ja gar nichts gemerkt!!!
Ich merke, wie in mir rumgewühlt wird.
Es tut nicht weh; ist aber tierisch unangenehm.
Ich stöhne auf und versuche nicht zu schreien.
Ich habe viel zu viel Angst davor, dass ich auf der Zielgeraden noch eine Vollnarkose verpasst bekomme.
Also halte ich mich zurück, schreie innerlich und konzentriere mich auf meine Atmung, wie meine Hebamme es mir als Tipp mit auf den Weg gegeben hat.
Durch die Nase ein, kurz halten, durch den Mund wieder aus.
Zack, da hat sich der Geburtsvorbereitungskurs schon amortisiert.
Ich höre den Arzt sagen. „Es ist mir egal wer, aber ich brauche gleich jemanden, der das Kind entgegennimmt!“

Oh mein Gott. Es ist also wirklich wahr.

Es ist bis auf das rhythmische Puls-Piepen ganz ruhig im Raum.
Ich spüre nochmal, wie an und in mir gezogen und gerüttelt wird und von einer auf die andere Sekunde ist mein Bauch ganz leicht.
Während ich versuche zu begreifen, was das bedeutet, höre ich von der anderen Seite: „Ein kleines Mädchen…“ und dann den wunderbarsten, lautesten, süßesten, herzzerreißendsten Schrei, den ich jemals gehört habe.
Ich sehe das Gesicht von Herrn Düse über mir. „Düse, sie schreit! Hörst Du das? Sie schreit!“
Ich fange an, zu weinen.
Mein ganzer Körper bebt mit.

Eine Hebamme kommt mit einem Handtuchbündel zu mir.
Ich sehe aus dem Augenwinkel erst einen kleinen Körper, an dem noch die Nabelschnur herunterhängt und dann verändert sich mein ganzes Leben in einer Millisekunde.
Ich blicke in die schönsten, weitaufgerissendsten, dunklen Augen, die ich jemals gesehen habe.
Sie schauen mich durchdringend an, während eine kleine Faust in dem noch kleineren Mündchen steckt.
Sie wird mir an die Wange gelegt.
Sie ist ganz warm.
Ich bin überwältigt.
Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so etwas gefühlt wie jetzt.
Ich verliere mich in ihren Augen; habe das Gefühl, ich kann durch sie durchsehen.
Mein Herz wird ganz warm und in genau dieser Sekunde weiß ich, dass ich für sie sterben würde.

Sie schaut mir direkt in die Augen, obwohl ich weiß, dass sie mich noch nicht sehen kann.
Ich sage „Hallo!“ und dann: „Da bist Du ja endlich.“
Sie ist wunderschön.

Dann wird sie ins Nebenzimmer gebracht.
Ich höre nur noch, wie Herr Düse sagt: „Sie ist so süß! Und sie hat geschrien – hast Du das gehört?“
Ich antworte nicht.
Ich weine.
Es sind Tränen der Erleichterung, Tränen der unendlichen Freude.
Ich denke, dass ist Antwort genug.

Die Anästhesistin beugt sich über mich. „Herzlichen Glückwunsch!“ sagt sie. „Darf ich jetzt als erste wissen wie sie heißt?“
Ich grinse Herrn Düse an.
Er grinst zurück.
„Sag Du.“
Ich gucke in den meinen künstlichen, blauen Horizont.
„Tiffy“, sage ich. „Tiffy.“

Dann werde ich gefragt, ob Herr Düse „entführt“ werden darf.
Natürlich darf er.
Ich bin überflutet vor Glück; nehme eigentlich gar nichts mehr wahr.
Ich weiß noch, dass ich meinen Kopf zur Seite gerollt und wieder laut geweint habe.
Was ja eigentlich sonst NIE meine Art ist.
Irgendwer (ich vermute ja die Anästhesistin, das Goldstück) lenkt mich ab.
Ich glaube sie erzählt mir nochmal, wie süß Tiffy ist.
Und wie laut sie geschrien hat.
Als könnte ich das jemals vergessen.

Zwischenzeitlich höre ich wieder den Sauger.
Aha, das muss jetzt die Ausschabung sein.
Es geht doch nichts über gutes Background – Wissen.
Dann sagt jemand hinter dem Tuch: „Der Uterus sieht schön aus!“
Ich grinse.
„Na das hört man doch gerne!“
Gelächter auf beiden Seiten des Vorhanges; gefolgt von „Die Patientin hört aber auch alles!“
Die Anästhesistin erklärt mir, dass damit beurteilt wird, wie gut er sich wieder zusammenzieht.
(Warum habe ich genau DAS behalten!??)

Ich schaue mich in meinem schmalen Radius um.
Ich sehe die Infusionsbeutel an dem Ständer hängen und bewundere sie apathisch.
Tropfen für Tropfen sehe ich fallen.
Die Anästhesistin kennt das anscheinend schon und wirft gleich ein:
„Da läuft jetzt ein Breitband-Antibiotikum durch. Das geben wir standardmässig bei OP’s.“
Ich bin beruhigt.
Somit ist die Chance einer Blasenentzündung durch den schxxx Katheder schon mal gesunken.
Und nen Pilz krieg ich auch nicht.
Gott sei Dank habe ich da hingeschaut.
Sonst wäre diese Information vielleicht niemals bei mir angekommen & ich hätte mit Sicherheit eine Pseudo-Blasenentzündung bekommen.
Mindestens.

Dann müssen wir noch über irgendetwas anderes geredet haben, denn ich habe gelacht.
In meinem hormonellen Ausnahmezustand verging die Zeit rasend schnell; ich habe alles wie in Watte gepackt gesehen, gehört, gefühlt.
Die hätten mir ein Bein amputieren können… ich hätte seelig gelächelt.
Komischerweise habe ich mir keine Sekunde Sorgen um Tiffy gemacht; lediglich ihr Gesicht habe ich die ganze Zeit vor mir gesehen und ich hatte das schmerzliche Gefühl, kaum dass ich sie 10 Sekunden kannte, dass ein Teil von mir fehlt.
Ich lachte also laut & herzlich über irgendwen oder irgendwas im Gespräch mit der Anästhesistin – ich war wie beflügelt und hätte die ganze Welt umarmen können.
Ich lachte und lachte bis ich von der anderen Seite des Vorhangs hörte: „Könnte die Patientin mal aufhören zu lachen? Ich kann sie gar nicht richtig zunähen!“
Ich guckte die Anästhesistin verschwörerisch an und drehe mit den Augen – woraufhin ich direkt wieder lachen muss.
Spielverderber.

Dann ist auf einmal Herr Düse wieder da.
Ganz vorsichtig kommt er mit einem großen Handtuchbündel im Arm und setzt sich auf den Hocker links neben meinen Kopf.
Einer der weiblichen grünen Männchen sagt: „Das muss er noch üben!“
Ich will sagen: „Gar nichts muss er üben; er macht das perfekt!“ – Ich sage nichts und grinse doof.
Ich grinse in das schönste Handtuchbündel der Welt… Meine kleine Tochter!
Sie trägt jetzt eine Mütze, damit sie ihre Temperatur besser halten kann und (wie Herr Düse mich später aufklärt) eine Pampers.

Und wieder guckt sie mich durchdringend mit ihren großen, dunklen Augen an, während sie bedächtig an ihrer Hand saugt.
Herr Düse sagt: „Das gibt’s doch nicht! Guck mal, sie saugt!“
Ich grinse immer noch.

Erst da kommt mir die Idee, nach ihrem Gewicht zu fragen, dass ja bis zum Schluss für Furore gesorgt hat.
Für mich ist irgendwie klar, dass es da kein Problem gibt.
Und genauso ist es.
2640g und 50cm, 32cm Kopfumfang; es geht ihr super, sie ist topfit!
Sie darf also bei uns bleiben.
Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Ich will sie wieder angucken, leider hat Herr Düse sich weiter nach hinten gebeugt, so dass ich nur auf die Handtücher gucke.
Mir fehlen aber irgendwie die benötigten 3 Gehirnzellen um ihn zu bitten, weiter nach vorne zu rücken – also lächele ich seelig die Handtücher an.

Irgendwann kommt die Anästhesistin dann auf die Idee, meine Hand loszuschnallen.
Hätte glatt von mir kommen können.
Steht auch so auf meinem Geburtsplan – hab ich nur schon lange wieder vergessen.
Ich streichele ganz vorsichtig ihr Gesicht, sie ist so unglaublich weich.
Meine Finger sehen neben ihr riesig aus.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas Schöneres gesehen als unsere kleine Tochter.

Ich muss noch eine ganze Weile so glückselig dagelegen haben, denn ich war schon fast fertig vernäht, wie ich durch den Vorhang mitbekam.
Zu dem Zeitpunkt fällt mir auch erst auf, dass der selbige voller Blutspritzer ist.
Komisches Gefühl… mein EIGENES Blut!

Als sie beim Nähen der letzten Hautschicht angekommen sind, soll Herr Düse dann schon mal mit der Kleinen in den Kreißsaal „vorgehen“ – komischerweise macht mir das gar nichts aus.
Im Vorfeld wollte ich ja keine Sekunde von meiner Kleinen getrennt sein.
Aber irgendwas beruhigt mich; ich weiß ich bin gleich wieder bei ihr.
Ich weiß, ich bin gleich von diesem OP-Tisch runter.
Ich weiß das erste Mal seit Beginn der Schwangerschaft wieder, dass alles gut wird.
Ich weiß, dass mein neues Leben gerade angefangen hat.
Irgendwie bin ich auch gerade geboren.
Durch unsere Tochter.

Auch der letzte Rest des Nähens vergeht wie im Flug.
Irgendwann wird mir die erste Braunüle (in der Armbeuge) wieder gezogen, der Sauerstoffsättigungsclip vom Finger gemacht und die Blutdruckmanschette abgemacht.
(In dem Moment erinnere ich mich an mein „Aufstöhnen“ im Vorgespräch über das „alle 2 Minuten Blutdruck messen“… Irgendwie habe ich das insgesamt nur 2 Mal wahrgenommen…)
Wie von Geisterhand ist dann auch das Tuch vor meinem Gesicht verschwunden und ich kann das erste Mal sehen, wie viele grüne Menschen hinter dem Vorhang werkeln.
Wow.
Unter anderem ein junger Typ (keine Ahnung was er war.. Ich weiß nur eins: 100% schwul!), den ich nur anschaue und die Chemie auf Anhieb stimmt.
Wir witzeln ein bisschen rum, bis jemand sagt: „ Jetzt geht es zurück in ihr Bett!“ – und ich frage mich ein paar Sekunden ERNSTHAFT, wie ich das jetzt alleine schaffen soll.
Die Narkose, die Narkose.

Mit einer Matte werde ich dann („Jetzt mal leicht den Po anheben…“) in das Bett gehoben.
Ich bin kurz davor, mich für mein Gewicht zu entschuldigen, da fällt es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich bin ja jetzt nicht mehr schwanger und somit auch gar nicht mehr schwer.
Ich bin jetzt sozusagen leicht.
Elfengleich.
Das mit dem rüberheben muss also ein Klacks gewesen sein.

Kaum liege ich, geht auch schon das Gewusel um mich herum los… Soweit ich das in meinem Zustand beurteilen kann, findet im Zentral-OP gerade eine außerplanmäßige Sectio statt, zu der jetzt alle müssen. (Das sind dann wohl die armen Schweine, die wir um 06:30 Uhr wehenveratmend auf dem Kreißsaalflur getroffen haben…)

Dann werde ich aus dem OP geschoben.
Ich werde rausgeschoben auf den Gang im Kreißsaal, den ich in meinem alten Leben als „Nicht-Mama“ schon so oft entlanggelaufen bin.
Ich lächele.
Vorbei an der Theke der Hebammen, vorbei am WC… rein in den Kreißsaal, in dem ich 1 Stunde zuvor noch Deinen Herztönen gelauscht habe.
Da sitzt Herr Düse.
Mit einem Handtuchbündel.
Unserem Handtuchbündel.
Er steht auf und kommt zu mir.
Ich spüre keine Schmerzen.
Alle Probleme der letzten Monate sind nicht mehr existent.
Mein ganzer Körper kribbelt und ich fühle mich, als würde ich fliegen.
Die Welt steht einen Moment still; es gibt nur Dich und mich, ganz alleine.
2 klopfende Herzen, 2 unendlich liebende Seelen.
Der Moment, in dem Du in meinen Arm kommst.
Ich und Du.
2 neugeborene Menschen.

Und in diesem Moment weiß ich, dass ich mein Leben lang nur auf Dich gewartet habe.

Mein Kind.

Bild: Pixabay.com

28 + 4

28 + 4

Bild: Pixabay.com

Bild: Pixabay.com

Huhuuuu ihr da draußen in der Hitze!

Ich lebe, ich lebe.
Habe selber mit Erschrecken festgestellt, dass ich schon 3 Wochen nicht mehr hier war, aber irgendwie rast die Zeit im Moment so… Ich komme gar nicht mehr hinterher mit allem.

Mittlerweile bin ich in der 29. SSW angekommen und es sind noch 80 Tage bis zum VET. *schluck*
Gestern hatte ich wieder Baby-TV… Tiffy liegt zur Zeit in BEL (mach keinen Scheiss, Kind!!! ), die Kopfgrösse ist ein bisschen hinterher (O-Ton mein Doc: „Lässt jetzt aber keine Rückschlüsse auf den Inhalt zu…“) aber sonst ist alles super.
Sie ist 1200g schwer und ca. 39cm groß.
Ich hatte ganz lieb gefragt, ob er mir vielleicht ein Profilbild mitgeben könnte, unser letztes Foto ist schon 2 Monate alt.
Und er hat sich wieder so viel Zeit genommen… Hab ich erwähnt, wie begeistert ich von ihm bin?
Er hat gesucht und gedrückt und geschwitzt und alles gegeben… Und er hat es geschafft… DAS perfekte Foto. Haben einen Moment erwischt, wo sie gerade am Daumen genuckelt hat…. Wie süß das war.
Muss das Bild die ganze Zeit anschauen… Hach, diese Hormone. *Tränchenausdemaugenwinkelwisch*
1 Stunde hat er sich wieder Zeit für mich genommen. Ich bin wirklich begeistert.
Ab jetzt ist ja eh ein 2-Wochen Turnus, mit CTG und allem was dazugehört. Aufs CTG freue ich mich schon. Stelle mir das sehr beruhigend vor, ihre Herztöne so laut zu hören.
Ich schlafe bestimmt dabei ein.

Ansonsten haben wir uns mittlerweile 2 weitere Kliniken angeschaut. (Die letzte gestern Abend… Eine fabelhafte Idee, denn die Kliniken sind klimatisiert… Kann ich jedem bei akuter Hitze nur empfehlen… )
Und wir sind uns ziemlich einig, dass es Klinik Nummer 1 werden wird.
Unser Favourit schon vor den Besichtigungen und wir sind überzeugt, dass es eine gute Wahl ist.
Relativ wenige Geburten pro Jahr, daher eine familiäre Atmosphäre, aber trotzdem mit Kinderintensiv und Frühgeborenenstation.
Kliniksuche – check.

Namenssuche… Noch nicht ganz erledigt.
Wir haben 3 Namen in der engeren Auswahl… Davon fühlen wir uns beide zu einem ganz Besonders hingezogen… Wir wollten das bis heute „sackenlassen“ und heute Abend das halbe Namensbuch, das wir noch nicht gelesen haben () zu Ende lesen und falls da nicht Wiedererwartend noch „DER“ Name auf Seite 374 auftaucht, werden wir uns heute mit Sicherheit einig.
Auch ohne Haareziehen und Beschimpfungen.
Ich bin mir ganz Sicher.
Den Namen verraten werd ich aber nicht… Geschmäcker sind halt nunmal verschieden und ich fürchte es wäre nicht das Beste für mein seelisches Gleichgewicht, wenn ich irgendwas doofes über den Namen höre.
Dann bin ich wieder verunsichert und muss unter Umständen wieder von vorne anfangen mit der Suche und dann lässt sich Herr Düse mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit von mir scheiden und dann bin ich Alleinerziehend mit einem namenlosen Kind.
Nach der Geburt verrate ich ihn dann… Heimlich, still und diskret per PN.
Namensfindung – Halb check.

Sie letzen beiden Wochenenden waren wir außerdem fleißig und haben Tiffys Zimmerchen ausgeräumt. (Wobei es eine besondere Herausforderung war, den PAX-Schrank von Raum A nach Raum B umziehen zu lassen, wenn nur 2 Personen da sind, wovon eine dieser Personen schwanger ist… Aber wir haben es geschafft!) Das war bis Dato ja unser Büro.
Unser Büro ist jetzt ein Zimmer weitergezogen und ist jetzt sogar gesellschaftsfähig!!!
Es ist das erste Mal in unserem Leben passiert, dass wir ANDEREN MENSCHEN dieses Zimmer zeigen können, ohne sie hinterher als Zeugen dieses menschlichen Abgrunds beseitigen zu müssen.
Tiffys Zimmer steht schon in Kartons hier… Jetzt müssen wir „nur noch“ streichen und einen neuen Teppich verlegen… Dann können die Möbel aufgebaut werden.
Das mit dem Streichen gehen wir nächstes Wochenende an.
Tiffys Zimmer: In Progress.

Unser Babyladen rief uns übrigens exakt 1,5 Wochen nachdem wir unseren Bugaboo bestellt hatten an, dass er geliefert wurde.
Ähm ja….. Soviel zu 8-10 Wochen Lieferzeit. Muss er da halt erstmal stehen bleiben… Frühestens 4 Wochen vor VET holen wir den ab.
Aaaaber…: Kinderwagen – Check.

Ich bin jetzt außerdem stolze Besitzerin eine Stillkissens… Mein Rücken wollte irgendwie nicht mehr so wie ich beim Schlafen.
Und was soll ich sagen…?! Das ist ja ein Geschenk des Himmels!!!
Wie sagt man so schön? „Problem erkannt-Problem gebannt!“
Ich muss zwar schwere Geschütze auffahren, um es vor Herrn Düse zu verteidigen, der auch sehr grosses Gefallen dran gefunden hat, aber mein Rücken ist wieder geschmeidig wie der eines Panthers.

Ansonsten? Jooooar… Herr Düse und ich hatten am Sonntag unseren 2. Hochzeitstag, der gleichzeitig unser 7. Jahrestag war.
Unglaublich, wie auch da die Zeit gerannt ist… Haben uns einen gemütlichen Tag in der Sonne mit einem guten (Vornamens-) Buch gemacht und Abends den Grill angeworfen.
Ganz romantisch zu zweit…
Nein, im Ernst.
Ich bin so froh, so einen tollen Mann an meiner Seite zu haben.
Er ist schon so verliebt in unsere Kleine, mich macht das unendlich glücklich.
Er redet immer mit ihr, streichelt meinen Bauch, singt ihr sogar vor (!!!!!) und freut sich wie Bolle, wenn er von ihr getreten wird.
(Auch wenn er neulich etwas beleidigt war, als sie ihn während seiner Perfomance zu „La-Le-Lu“ getreten hat… Er hat das sofort als Affront gegen seine Gesangskünste gesehen…) Jeden Abend sagt er, wie sehr er sich auf sie freut und dass er es kaum erwarten kann, sie endlich das erste Mal im Arm zu halten und Abends mit ihr zu kuscheln.
Dieses Kind bringt völlig neue Seiten an ihm Hervor… Ich bin selber sprachlos.
Aber von der glücklichen Seite aus.

Mehr fällt mir momentan auch gar nicht ein an Berichterstattung… Das könnte aber unter Umständen auch daran liegen, dass mir hier schon langsam aber Sicher das Hirn wegschmilzt bei den steigenden Temperaturen hier.
Ich werde mir jetzt nochmal eine kalte Dusche genehmigen und dann schnell was einkaufen fahren bevor ich mich wie ein Seestern abwechselnd in den Garten und auf die kalten Fliesen lege.

… Und achja…. Falls noch jemand ein Babybay oder anderen Krempel, den man unbedingt braucht, loswerden möchte…. –> Wir sind immer auf der Suche.

Habt einen schönen Tag und fließt nicht weg!