23 + 4 ODER: Voice Recorder

Voice Recorder

Ich kann nicht glauben, was derzeit in den Medien zum 4U Unglück berichtet wird.

Ich will es nicht glauben.

Das muss doch alles ein riesen Mißverständnis sein, eine Fehlspekulation…?
Es muss einfach eine ganz simple Erklärung geben.
So kann es doch nicht gewesen sein?!
Bitte, bitte… 🙏
Ich kann nicht glauben, dass ein Mensch so eine Katastrophe mit Absicht hervorgerufen hat.

Die Fakten sprechen bisher gegen den First Officer.
Ich beteilige mich vorerst nicht an den wilden Spekulationen und sortiere meine wirren Gedanken.
– In dubio pro reo.

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23 + 2 ODER: 4U 9525

23 + 2 ODER: 4U 9525


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#unitedbywings
#4U9525

Die mediale Berichterstattung über das tragische Ende des 4U Fluges heute morgen reisst nicht ab.
Immer neue Informationen erreichen uns, die 148 Opfer fangen an Gesichter zu erhalten; ihre Wohnorte, ihre Hintergründe, ihr Alter, einzelne Schicksale werden bekannt.

Ich stehe seit Bekanntwerden des Unglückes total neben mir.
Ich habe heute den ganzen Tag mit einem Freund, der als Flugbegleiter bei Germanwings arbeitet, Kontakt gehalten und weder er noch ich sind in der Lage, Worte für das zu finden, was da heute passiert ist.

Wir als Crew steigen Tag für Tag in die Flugzeuge.
Es ist so normal, wie für jeden anderen das Betreten des Büros.

Ich sehe die Crew des Fluges 4U9525 in Gedanken vor mir; gehe ein Stück mit ihnen.
Wie sie vielleicht gestern Abend im Hotel zusammengesessen haben. Gelacht, getratscht, bei einem Glas Bier oder Wein und einem Zigarettchen den Feierabend genossen haben.
Wie Ihnen die Beine wehgetan haben, von den vielen Flugstunden, die der beginnende Sommerflugplan mit sich bringt.
Wie sie sich auf zu Hause gefreut haben.
Evtl. nach mehrtägiger Abwesenheit.
Wie sie am morgen den Wakeup-Call vom Hotel bekommen haben; ihre Sachen in den Koffer gepackt haben, in ihre Uniformen geschlüpft sind, Makeup aufgelegt haben und beim Early Bird den überlebensnotwendigen Kaffee getrunken haben, als es draussen noch ganz dunkel war und die ganze Stadt noch zu schlafen schien und sich alles so anfühlt, als sei es in Watte gepackt.
So leise und weich.
Wie sie zum Flughafen gefahren wurden.
Wie sie durch die Security gegangen sind und anschliessend zum Crewausgang marschiert sind.
Ich höre die Absätze der Uniformpumps auf dem Fussboden klackern.
Sie wurden zum noch menschenleeren Flieger gefahren.
Entweder sie haben ihn versiegelt vorgefunden, oder ein Techniker wartete auf die Crew zur Übergabe.
Der Flieger war zu diesem Zeitpunkt dunkel, leer und kalt.
Dann füllten sich im Laufe der Flugvorbereitungen der Flieger mit Leben.
Es wurden Checklisten gelesen, das Catering beladen, das Flugzeug betankt, die Kabine vorbereitet.
Nachdem alle Passagiere an Board waren, wurde die letzte Kabinentür geschlossen.
„Cabin Crew, all doors in flight and cross-check!“
Für immer.

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Das letzte große Unglück, was einen unmittelbaren Affekt auf unsere Arbeit hatte, war tatsächlich 9/11.
Und obwohl auch das Trauer, Wut und Ohnmacht in jedem von uns hervorgerufen hat, war es doch unendlich weit weg.
Auch die vielen anderen Unglücke, die seitdem bis zum heutigen Tage passiert sind, waren nicht so greifbar.
Sie sind „weit weg“ passiert.
„Weit weg“ impliziert doch schliesslich schlechte Wartung, veraltete Technik, schlecht geschultes Personal.

Und jetzt?
Jetzt ist es hier passiert.
Inmitten von uns.
Einer zu einem Weltkonzern zugehörigen Airline.
Auf einer „Allerwelts-Strecke“.
Kein Krisengebiet, kein schwieriges Flugwetter…
Wenn so ein Flug bei uns auf dem Dienstplan stand, war unser Briefing meist kurz und knackig: „Wir eiern auf der Ölspur runter, drehen die Kiste schnell um, fliegen zurück und machen pünktlich Feierabend.
Ansonsten alles „Standard-Operation“.“

Am heutigen 24.03.2015 wurde aus einer Standard-Operation eine Non-Standard-Operation mit tragischem Ausgang.
Wir alle sind für Notfälle geschult und müssen regelmässig ins sogenannte „Recurrent-Training“, um Notszenarien durchzuspielen und aufzuarbeiten, jeder von uns hat im Hinterkopf, dass etwas passieren KANN.
Aber zwischen KANN und IST ist ein himmelweiter Unterschied.
Dazwischen liegt die Realität.
Und die hat die Fliegerwelt heute ereilt.

Es wurden Mahnwachen an den Flughäfen gehalten, im Netz werden im Sekundentakt virtuelle Kerzen entzündet und Trauerschleifen geposted und die Fassungslosigkeit geht um die ganze Welt.

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Ich habe heute viel geweint, ich habe meine kleine Maus ganz fest an mich gedrückt und dem lieben Gott gedankt, dass ich heute hier sein und all das Glück in meinen Händen halten darf.
Ich habe allen gesagt, wie sehr ich sie liebe.
Vergisst man doch von Zeit zu Zeit, dass jeder Tag der letzte sein kann.

Schlussendlich bin ich an meinen Kleiderschrank gegangen, habe einmal über meine Uniform gestrichen, meinen Wing geradegerückt und die Tür dann fest verschlossen.

In Gedanken bin ich bei den Angehörigen der Opfer.
Ehefrauen-/männer und Familien der Crew, die sich auf den heutigen Feierabend mit ihrer Frau/Mann/Mama/Papa/Tochter/Sohn gefreut haben.
Die Eltern der verunglückten Schüler, die Großeltern der beiden Babys, die an Bord waren.
Allen, die am Mittag am Flughafen Düsseldorf standen und statt von ihren Liebsten in die Arme vom Seelsorgern genommen wurden.
Alle, die in Barcelona „Adios“ gesagt haben, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal gewesen ist.
Ich trauere mit euch und weine mit euch.

4U9525 – may your souls rest in peace.

„Cabin Crew, all doors in park…“

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23 + 2 ODER: Breaking News

23 + 2 ODER: Breaking News

Vor knapp 2 Stunden ist ein Airbus der Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in Südfrankreich abgestürzt.

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/germanwings-airbus-in-sued-frankreich-abgestuerzt-a-1025270.htmlp

 

Ich bin sprach- und fassungslos.

Ich kenne viele Kollegen, die bei Germanwings fliegen.
Eine renommierte, deutsche Airline.
Eine Standardroute, die man „mal eben so abreisst“ und sich freut, dass man früh Feierabend machen kann und noch was vom Tag hat.
Es ist so greifbar, weil es jeden von uns hätte treffen können.
Es ist HIER passiert, auf einer Route, die ich selbst schon 100-te Male geflogen bin.
Einer Airline, mit der ich selber schon geflogen bin, deren Zielflughafen ich wie meine Westentasche kenne.
Ich kann es nicht glauben.

Ein fast vollbesetzter Airbus A320.
148 Seelen.

Um 14:00 Uhr gibt es die erste Pressekonferenz.

R.I.P.

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Zeiten ändern sich

Zeiten ändern sich

Bild: Pixabay.com

Mein Brötchengeber ist doof.
Ein bisschen Umstrukturierung hier, ein bisschen von-links-nach-rechts-Geschiebe da, die Wurzel von 30 mal 7 zum Quadrat ergibt: Wir brauchen Geld.
Irgendwie scheint die sprudelnde Geldquelle, der unentdeckte Plan des schier endlosem Reichtums, der streng geheime rote Knopf der zu sein, seine Mitarbeiter zu versetzen.

Mir im ersten Moment egal; ich bin für jeden Scheiß zu haben.
Wenn ich nach der Elternzeit wieder anfange, dann eh nur auf minimaler Teilzeit und ob ich jetzt 8 (Stand: jetzt) oder 100 (das wäre dann mein neuer Einsatzort) Kilometer zum Flughafen fahre, macht mir bei den wenigen Einsätzen eigentlich nicht wirklich etwas aus.

Anders allerdings meinen Kollegen/-innen.
Die haben teilweise gerade gebaut, sind hier familiär und im Freundeskreis fest verwurzelt und wollen auf keinen Fall umziehen.
Mit einem Vollzeit-Dienstplan fährt man das Ganze nämlich nicht.
Es sei denn, man hat…
a) einen Chauffeur
b) unbegrenzten Zugang zu wachhaltenden (und hochgradig illegalen) Substanzen
oder
c) einen völligen Dachschaden.

Innerhalb von 24 Stunden haben mir jetzt 2 meiner Lieblings-Kolleginnen, mit denen ich auch privat eng verbunden bin, gesagt, dass sie gekündigt haben.
Ich bin traurig.
Ich muss daran denken, wie eine der beiden mich nach der Entbindung im Krankenhaus besucht hat und mir eine Karte mit einem Flugzeug drauf mitgebracht hat. Hinten hatte sie handschriftlich notiert: „Als Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit..“
Ich habe mir damals gedacht: „Häääääää? Ist doch gar nicht vorbei. Ich komme doch nach der Elternzeit wieder – ich habe doch nicht gekündigt.“
Denkste.
Du naives, hormonverstrahltes Ding.

Wieder einmal wird mir bewusst, dass wohl nichts mehr so sein wird, wie es mal war.
Die Zeit rennt und rennt und rennt und die Welt dreht sich immer schneller und schneller.
Ich erwische mich immer öfter bei dem Gedanken, doch nicht so schnell aus der Elternzeit wiederzukommen.
Vielleicht sogar doch direkt ein 2. Wunder probieren…..?

Zeiten ändern sich.

Mädels, vielen Dank für die tollen Jahre, die wir gemeinsam verbracht haben.
Es war mir ein Fest. ❤

Re:Re:Re:Re:Fwd:Re:Re:Re:Fwd:Re:Re:Re:Re:Re:Fwd:Re:Re: Kurze Frage an Düse

Jetzt wo ich meinen letzten Post nochmal genauer Betrachte….

Ich stelle mir gerade vor, wie meine Ansagen im Flieger ausarten würden, wenn ich mich nicht ab und zu zusammenreißen würde…. :

„Meine Damen und Herren, bitte schalten Sie jetzt alle elektronischen Geräte aus… Damit meine ich: Iphone3, IPhone 3s, IPhone 4, IPhone4s, IPhone 5, IPad, IPod, Samsung Galaxy, … Und was ich Ihnen da unbedingt noch erzählen muss… Also neulich…..“

Bild: Pixabay.com