Insomnia

Insomnia

Man, man, man.
Was ist los mit dem Kind?
Seit einigen Nächten ist ihr Schlafverhalten von „mit-drei-zusammengekniffenen-Hühneraugen-ganz-ok-und-halbwegs-zu-überleben“ zu „HILFEICHWILLDOCHEINFACHNURSCHLAFEN“ mutiert.
Wir kämpfen tagsüber mit dem Schlaf, wir kämpfen Abends mit dem Schlaf und ganz besonders kämpfen wir in der Nacht.
Ich kann tun und lassen was ich will, ich kriege in das Kind keinen geregelten Rhythmus.

Jeder Tag ist anders.

Schläft sie heute Mittag noch friedlich beim Stillen auf meinem Arm ein, kann sie ins Bettchen legen und sie schläft seelenruhig 2 Stunden kann das heute schon ganz anders aussehen.
Von „beim Ablegen wach geworden und 8 Minuten Mittagsschlaf für genug befunden“ bis hin zu „Bin überhauuuuuuuuuuuuuuuuupt nicht müde… wäääääääh, wäääääh, wäääääh“ ist einfach jeder Tag eine Überraschung.
Neues Spiel, neues Glück.
Mal schläft sie 2 Stunden (an besonders guten Tagen), mal schläft sie 8 Minuten (an besonders, besonders, besonders dunklen Tagen) – mal schlummert sie friedlich innerhalb weniger Minuten ein, mal sitze ich stundenlang neben ihr und versuche sie mit allen nur erdenklichen Tricks in den Schlaf zu bekommen –  sie hält das alles sehr variabel.
Und das ist ja nur der Mittagsschlaf.
Von den anderen Schläfchen möchte ich gar nicht reden.
Von bis ist alles dabei.
Leider wirkt sich der ihrerseits doch relativ variabel gestaltete Ablauf dann komplett auf den restlichen Tag aus.
Schläft sie nur kurz, hält sie es mit Biegen und Brechen bis maximal 17:00 Uhr Abends aus, bevor sie mich so weichkocht und ich sie schlussendlich freiwillig nochmal zu einem kurzen Nickerchen hinlege.
Dieses Nickerchen wiederum ist dann der selbstgewählte Freitod des ruhigen Feierabends, der dann statt gemütlich auf der Couch rumlümmeln KINDERANIMATION beinhaltet.
Dann brauchen wir Tiffy vor 22:00 Uhr nämlich nicht mit Schlafengehen kommen.
Dann hat sie ihre Batterien erst mal wieder aufgeladen.
Ich versuche mir ständig selber einzureden, wie unglaublich praktisch es ja eigentlich ist, keine starren „Zubettgehzeiten“ zu haben…
Diese Möglichkeiten, die sich uns dadurch eröffnen, sind ja eigentlich phänomenal. Wir könnten ja eigentlich sogar Abends essen gehen oder Freunde besuchen…. und das alles mit einem gutgelaunten Kind… Diese MÖGLICHKEITEN!!
Mal abgesehen davon, dass wir noch nie, wirklich noch nie FREIWILLIG in den Abendstunden mit ihr unterwegs waren (vom Urlaub einmal abgesehen) muss ich doch kleinlaut zugeben, dass ich andere Mütter beneide, die den Schlaf ihrer Kinder minutiös vorhersagen können und damit ihren Tag ganz easy wochenlang im Voraus verplanen können.
Aber HALT STOP… das mit dem Vergleichen wollten wir ja sein lassen.

Insomnia – Die Nacht der Nächte. Stillen, stillen, stillen und schreien.

Heute Nacht stand dann die Apokalypse kurz bevor.
Ihr Mittagsschlaf gestern war eine reine Katastrophe (1 Stunde GEBRÜLL, bis sie dann schlussendlich völlig erschöpft in meinem Arm eingeschlafen ist…).
Durch die Stunde „Zeitverzögerung“ brauchte sie dann Nachmittags nicht nochmal ein Nickerchen zu machen und somit fing sie erst gegen 18:00 Uhr an, zu quengeln.
So weit, so gut.
Letztenendes war es 20:22, ehe sie die Augen dann wirklich schloss. (Vorher wurde noch das Bett einmal auf links gedreht, ich als Hüpf- und Krabbelburg missbraucht und Schnuller durch die Gegend geworfen).
In der Zeit bis 23:00 Uhr musste ich 2x zu ihr kommen; 1x forderte sie in unerbittlichem Geschreie (Wirklich. Sie brüllt. Sie hat die Augen noch zu und brüllt.) ihren Schnuller und ein bisschen Kuscheln ein, das zweite Mal war gar nichts zu machen.
Da half dann nur selber schnell in den Schlafanzug hüpfen, mit ins Bett gehen und dann Stillen.
Irgendwann schliefen wir alle ein.
Das nächste Mal meldete sie sich 2 Stunden später – wieder mit lauten Gebrüll.
Dieses Mal aber direkt neben meinem Ohr.
Ich im Tiefschlaf.
Schnell gestillt… Ruhe.
Aufatmen.
Weiterschlafen.
Nach weiteren 3,5 Stunden (mittlerweile 5:20 Uhr) meldete sie sich wieder.
Das selbe Spielchen, die selbe Tonart.
Ich spule das selbe Programm ab, leider ohne Erfolg.
Das Kind ist wach.
Es fängt an zu singen und zu „Dadadadadaaaaaaaa“-n.
Ich atme scharf ein- und aus.
Ich merke schon, wie Herr Düse auf der anderen Seite des Betts anfängt, sich zu wälzen.
Irgendwann gegen kurz nach 6 schläft sie wieder ein.
In der Zwischenzeit habe ich sie 3 Mal wieder hingelegt (als sie anfing, ihre Gesangskunst artistisch zu untermauern, indem sie durch das Bett krabbelte) und 2 Mal laut geflucht.
Ich bin nachhaltig wach und Herrn Düses Wecker klingelt um 06:45.
Der Arme.
Wir schmieden schon Pläne, wie wir ihr das in ihrer Teenagerzeit alles heimzahlen werden.
Bisher noch nicht ganz ausgereift, aber die Hauptsäulen: LÄRM und MÖGLICHST FRÜH stehen schon mal.
Aber bis dahin ist ja auch noch etwas Zeit.

Schlafenstechnisch macht sie mich fertig, wirklich.
Sie bekommt alle Nähe der Welt.
Sie wird gestillt, sie wird getragen, sie ist Familiengebettet.
Wir gehen voll und ganz auf ihre Bedürfnisse ein; wir tragen sie ihr quasi hinterher.

…. So, gerade werde ich gerufen.
Brüllenderweise.
Aber immerhin erst nach 1,5 Stunden.
Ich bin fast ein bisschen Stolz. 🙂

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

 

Flugstunde

Flugstunde

Tiffy hat gestern ihren „Batman“ Body getragen, in dem sie so unglaublich niedlich aussieht, dass ich sie den ganzen Tag knuddeln könnte.
Der Body hat ein Cape zum ankletten und wenn sie in ihrer gewohnten Tiffy-Manier im Eiltempo durch die Wohnung krabbelt, sieht man es, mit ein klein wenig Phantasie, im Winde flattern.

Nach einer ereignisreichen Nacht (meine Augenringe sehen sich noch nicht dazu in der Lage, darüber zu reden….) schlief Madame heute morgen bis 09:24 Uhr und wachte dann gutgelaunt mit einem Liedchen auf den Lippen auf.
Nach meinem morgendlichem Beautyprogramm (was ja als Mutter nicht allzu ausgedehnt ist und die Essentials: Duschen, abtrocknen, bisschen Wimperntusche beinhaltet) wollte ich sie eben fertig machen.

Der Plan lautete wie folgt:
Kind auf den Wickeltisch, mit bereitgestellten Wasser und Waschlappen sauber schrubben und dann in Schale schmeißen um möglichst zügig an die Koffein-Tränke zu gelangen.

Tiffy fand meinen Plan wohl nicht so gut und verlieh ihm eine eigene, persönliche Note:
Wasser holen, während Kind quer durch die Wohnung krabbelt und dabei die Reifen des im Flur geparkten Kinderwagens ablutscht, Kind einfangen und unter größtmöglichem Protest auf den Wickeltisch verfrachten.
Kind versuchen, den Schlafanzug auszuziehen, während es mit Inbrunst ihre kleinen Finger in meinen offenen Labello (wie kommt der eigentlich auf den Wickeltisch???) bohrt.
Kind die Windel ausziehen, während es sich den Labello in den Mund steckt und dabei Schmatzgeräusche macht.
Schnell mit dem Waschlappen sauber machen.
Feststellen, dass man das Gesicht vergessen hat, zu waschen.
Neuen Waschlappen nehmen, vergessene Stellen waschen und abtrocknen.
Beim Versuch, ihr eine frische Pampers anzuziehen, setzt sie sich 10 Mal hin und protestiert lautstark meine Ambitionen, sie wieder in die horizontale zu Verfrachten.
Pampers an… jetzt noch schnell was zum Anziehen aus der Schublade des Wickeltisches holen.
Währenddessen setzt sie sich natürlich wieder auf und inspiziert den Labello nochmal ganz genau.
Ich halte sie mit der linken Hand fest, während ich mit der rechten in den Untiefen der Schublade nach etwas zumindest halbwegs farblich zusammenpassendem fische.
Tiffy windet sich unter meinem Arm und noch bevor ich ihr die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen kann, macht es *Krach* – und sie liegt in der Klamottenschublade und weint.
Pffff…

Schnell hochgenommen und gewippt und ge“schhhhht“ – Ruhe.
Kind begutachtet – überall rote Striemen über der gesamten linken Seite verteilt.
Kommode begutachtet – Schublade ist komplett rausgebrochen und lässt sich weder vor- noch zurückbewegen.
Ich setze das Kind vorsichtig auf den Boden, worauf es sich sofort auf eine Packung Babykekse stürzt, diese komplett im Raum verteilt und dann genüsslich anfängt, Keks für Keks mit einem „Mjammjam“ aufzupicken.
Die Kommode hat definitiv größeren Schaden genommen als das Kind.
Puuuh.
Trotzdem fange ich erst mal an zu weinen vor lauter Schreck.
Schnell telefonisch mit Herrn Düse zur weiteren Vorgehensweise besprochen… währenddessen zieht Tiffy sich lachenderweise an der Ruine, die einst ihre Wickelkommode war, hoch und fängt an, ihre Klamotten einzeln rauszurupfen und in ihrem Zimmer zu verteilen.
Ich gucke einfach weg, dann passiert das gerade gar nicht.
Herr Düse und ich beschließen, dass es nicht verkehrt ist, den Arzt einmal drüber schauen zu lassen.
Zur Strafe für die Klamottenschlacht und aus organisatorischen Gründen kriegt sie nun definitiv nichts farblich zusammen passendes an.
Ich sitze am längeren Hebel, Frollein!

Der Arzt schiebt uns sofort dazwischen und begutachtet sie ausgiebig.
Ein bisschen schuldig und beschämt komme ich mir ja doch irgendwie vor.
Wahrscheinlich tuscheln alle hinter vorgehaltener Hand („Das ist die, die ihr Kind unbeaufsichtigt lässt!“).
Die mahnenden Zischgeräusche höre ich so lange, bis der Arzt selber Hand anlegt und Tiffy ihm mit den Worten „Da!“ ihren Schnuller hinhält und dann dort vom Tisch springen will.
„Ha! Hatesauchjedergesehenhatesauchjedergesehen???“
Der Arzt lacht und sagt: „Das ist aber eine flotte Lotte.“
Jaaa…. SO kann man es auch sehen.
Abtasten hier, horchen dort… alles da, wo es sein soll.
Kind wird für Gesund erklärt und Mama wird erklärt, dass das ab jetzt wohl öfter vorkommen wird.
Puuuh.

Auf dem Rückweg muss ich wieder an ihren Batman-Body denken.
Und da wird mir einiges klar.
Sie wollte das Cape vermutlich nur auf Flugtauglichkeit testen.

Na Gott sei Dank habe ich ihr keinen Spiderman-Body gekauft.
Nicht auszudenken….

 

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Bild: Pixabay.com